Was hilft in der Krise

Was hilft in der Krise

Auch wenn jeder, der diesen Text liest, wohl schon die ein oder andere Krise erlebt – und überlebt – hat, so erschüttert das Beben im Jahr 2020 viele besonders schwer. Selten mussten wir von heute auf morgen so viele Veränderungen hinnehmen, unser Leben teils radikal umstellen, unseren Arbeitsplatz aufgeben oder vom Büro nach Hause verlegen, plötzlich nicht mehr nur Eltern sondern auch Lehrer sein und vor allem: mit derart viel Unsicherheit leben lernen. 

Resilienz ist die Fähigkeit, sich schnell von Krisen zu erholen und nach Rück- und Schicksalsschlägen schnell wieder in den (seelischen und mentalen) Ursprungszustand zurückzukehren. 

Keiner weiß, was der September noch bringt, wenn die Konsequenzen des sommerlichen “Leichtsinns” sich in Zahlen bemerkbar machen. Keiner weiß, was dieses Jahr noch bringt. Und noch weniger weiß einer, was 2021 bringen wird.

Wie halten wir das aus? Wir Menschen, die wir Routinen und einen geregelten Ablauf lieben und brauchen; wir Menschen, die wir Sicherheit durch eine Festanstellung und ein gesichertes Einkommen suchen; wir Menschen, die wir Herdentiere sind und soziale Kontakte, sprich Freundschaften und Familie so sehr brauchen wie die Luft zum Atmen.

Wie machen wir weiter, wenn all dies wegbricht bzw. von drastischen Einschränkungen und großer Unsicherheit geprägt ist? Tatsächlich ist in der aktuellen Zeit sehr gut und live zu beobachten, was die Theorie der Resilienz schon lange lehrt.

Resilienz ist die Fähigkeit, sich schnell von Krisen zu erholen und nach Rück- und Schicksalsschlägen schnell wieder in den (seelischen und mentalen) Ursprungszustand zurückzukehren. 

Sie besteht aus verschiedenen Säulen bzw. Faktoren. Und tatsächlich lässt sich gerade sehen, wer hier auf starkem Fundament steht, sprich die Säulen kaum wackeln und somit relativ gut gelaunt durch die Krise kommt, und wer hie und da doch ein wenig ins Wanken gerät.

Die besagten Säulen der Resilienz sind:

  • Optimismus 
  • Verlassen der Opferrolle
  • Zukunftsorientierung
  • starkes Netzwerk
  • Akzeptanz (der Dinge, die ich nicht ändern kann)
  • Flexibilität bzw. Anpassungsfähigkeit
  • Eigenverantwortung
  • Lösungsorientierung

Resilienz ist keine geheime Zutat, die man hat oder eben nicht. Man kann sie entwickeln und ausbauen.

Und wenn die aktuelle Krise zu etwas gut ist, dann bestimmt dazu, uns resilienter zu machen – wenn wir diese Herausforderung denn annehmen.

Daher als kleine Reflexionsaufgabe die Frage: wie stark sind die oben genannten Faktoren bei dir aktuell ausgeprägt? Wie sehr gelingt es dir beispielsweise, optimistisch und lösungsorientiert zu bleiben – trotz allem?

Bewusstsein bzw. -machen ist der erste Schritt in Richtung Veränderung! Viel Spaß dabei!

Home-Office – Fluch und Segen

Home-Office – Fluch und Segen

Versteht mich bitte nicht falsch: ich bin im Grunde ein großer Befürworter von Home-/ Mobile-Office Regelungen und allgemein ein Fürsprecher einer, aus meiner Sicht, längst überfälligen Flexibilisierung der Arbeitskultur. Die Corona-Krise hat insofern sicherlich einen Beitrag geleistet, indem sie gezeigt hat, dass vieles möglich ist, was vorher undenkbar erschien. 

Wir sind keine defizitären Computer

ABER: Mir erscheint die aktuelle Diskussion zu einseitig und im Grunde genommen am Thema vorbei. Viele Unternehmen preisen die neue Home-Office Regelung aufgrund der gleichbleibenden oder neugewonnen Produktivität an. Vom „Proof of Concept“ wird geredet. „Weiter so“ ist ein lautes Credo dieser Tage. Manche Unternehmer berechnen bereits wie viel Büro rationalisiert werden könnte. Doch was bleibt dabei eigentlich auf der Strecke? Was ist der Preis dafür? Diese Seiten werden mir nicht genügend thematisiert. 

home-office
Wer will denn schon noch mehr Videocalls, E-Mails, oder digitale Projektmanagementtools?

Mehr „Home-Office“ heißt auch weniger „Work-Relationship“

Zum einen: Menschen sind freilich keine Produktivitätsfaktoren! Und dass wir zeitweise auch mal ineffizient arbeiten, macht uns nicht zu defizitären Computern oder Maschinen. 

Zum anderen: Ich persönlich kenne kaum jemanden, der noch wirklich “heiß” ist auf Videocalls und virtuelle Workshops. Wer will denn schon noch mehr E-Mails, Messages, Sprachnachrichten oder digitale Projektmanagementtools, um die Zusammenarbeit abzustimmen? Mehr „Home-Office“ heißt auch weniger „Work-Relationship“. Das Persönliche, der soziale Austausch ist immens wichtig. Wofür? 

“In einer Zeit, in der Algorithmen unsere Vorlieben und Interessen kennen, (…) ist es umso wichtiger mit zufälligen, nicht vorselektierten Meinungen und Ansichten konfrontiert zu werden.”

In einer Zeit, in der Algorithmen unsere Vorlieben und Interessen kennen, dementsprechend Informationen und Impulse an uns ausspielen, ist es umso wichtiger mit zufälligen, nicht vorselektierten Meinungen und Ansichten konfrontiert zu werden. Es braucht reellen Raum für Begegnung, sonst kann das, was im Zuge des florierenden Onlinehandels als „Versteppung der Innenstädte“ beschrieben wurde, vielleicht bald auch auf das gemeinsame Arbeiten zutreffen. 

Arbeitsbeginn und -ende werden weniger erlebbar

Zu guter Letzt: Dort wo die Verschmelzung zwischen Arbeitsplatz und Zuhause zunimmt, ist auch klar, Arbeitsbeginn und -ende werden weniger erlebbar. Flexibilität geht eben in beide Richtungen, zu mehr Freiheit und mehr Eigenverantwortung. Da drängt sich für mir die Frage auf: Wie können wir dafür sorgen, dass die neue Flexibilität uns nicht mehr belastet als entlastet? 

Was nun aus der Corona-Not funktioniert hat, ist noch lange keine Blaupause für die zukünftige Arbeitswelt. Neben dem Wunsch nach Veränderung ist die Frage „Was wollen wir uns bewahren?“ ebenso wichtig. Hierfür würde ich mir ein größeres Bewusstsein wünschen. 

Was im „Büro-Zuhause“ versäumt wird

Ja ich weiß: Es gibt nicht nur schwarz-weiß, sprich Home-Office oder Büro. Die Mischung macht’s?! Auch klar. Dennoch bin ich überzeugt, dass (mehr) Home-Office nur dann gut funktionieren kann, wenn gleichzeitig Strukturen im Büro in Hinblick auf ein mehr an Begegnungsräumen und einem mehr an Zeit für persönlichen Austausch ausgebaut werden. Damit das, was im „Büro-Zuhause“ versäumt wird, nicht komplett unter den Tisch fällt: das (Zwischen-) menschliche, die Kultur.